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Reflektieren und Regulieren

Aktualisiert: Aug 20

Schwerpunkt: Ethik in der Krise!?


Editorial von Jolanda Rose


In Krisenzeiten “können bestimmte Grundsätze der wissenschaftlichen Überzeugungsbildung, die unter Normalbedingungen vernünftig sind, mit Prinzipien der praktischen Rationalität in Konflikt geraten, [...] Das gilt umso mehr, wenn philosophische Fragen eine kurze Deadline haben und in Echtzeit beantwortet werden müssen, etwa um Katastrophenszenarien abzuwenden.” stellen Philosophen Nikil Muerji und Adriano Mannino in ihrem Essay “Covid-19: Was in der Krise zählt - Philosophie in Echtzeit” fest. Aber wie beantwortet man diese zukunftsentscheidenden Fragen in kürzester Zeit nach den richtigen Maßstäben? Wie sind verschiedene grundrechtliche Schutzgüter miteinander abzuwägen? Ist eine Krise der richtige Zeitpunkt, um über Regulierung technischer Produkte zu diskutieren oder heiligt der Zweck alle Mittel? Diese Fragen und mehr haben wir uns im Vorfeld zu den Recherchen des ersten Schwerpunktthemas “Ethik in der Krise?!” von Digital Humanists gestellt. 


Antworten auf Fragen zu Regulierung von künstlicher Intelligenz und unterschiedliche Betrachtungsweisen je nachdem ob staatliches oder unternehmerisches Handeln für gesellschaftliche Überwachung sorgt, werden im Gespräch mit Prof. Martin Ebers erörtert. 

Im Rahmen dessen braucht es Konzepte, die den Menschen ins Zentrum gesellschaftlichen Handelns und innovativer Krisenintervention rücken. Jedoch reicht es im Angesicht des Unbekannten nicht mehr, Handlungsempfehlungen aus vergangenen Erfahrungen heraus zu entwickeln. Diese Situation erfordert vielmehr einen (ethischen) Kompass, der es uns ermöglicht, durch das Ungewisse zu navigieren. Wie wir neue Wege hin zu einer erstrebenswerten Zukunft erschließen, beschreibt Lina Krawietz in ihrem Leitartikel. Sie nimmt uns mit in die Welt des human-centered Innovation Design und weist uns neue Richtungen für die Entwicklung alternativer Ansätze zum Weiterkommen auf.

Besonders von staatlicher Seite erfordern Krisenzeiten schnelles, bedachtes Handeln, sowie neue, digitale Vorgehensweisen. Welche Stärken und Schwächen die Entwicklung der Corona-Tracing-App in der öffentlichen Verwaltung gezeigt hat und wie es um die ethische Verantwortung in Krisenzeiten in Bezug auf IT-Systeme steht, wird dazu im Interview mit Prof. Dirk Heckmann diskutiert. 

In der aktuellen Situation stellt sich jedoch nicht nur die Frage nach ethisch richtigem Handeln, sondern gleichzeitig auch, ob die Ethik selbst in der Krise ist. Mittlerweile verfügt fast jedes Unternehmen über ethische Richtlinien. Mit den Worten Ethik, Verantwortung und Gemeinwohl geht hausieren, wer eine kritische technische Entwicklung - die neueste Social Media Plattform oder das neueste Gesundheits-Gadget - zu rechtfertigen hat. Wie viel Wert haben diese Richtlinien also überhaupt noch? Wie kann man zwischen Ethik als Marketingstrategie und ernsthafter Verantwortung für gesellschaftliche Auswirkungen von Technik unterscheiden? Um das zu klären, geht Ramak Molavi in ihrem Leitartikel dem Thema “Ethicswashing” auf den Grund und erläutert, wie verantwortungsbewusste Innovation in Zukunft gestaltet werden kann.


Anfang September werden die Expert*innen auf dem digitalen Podium des ersten Digital Humanists Talk verantwortungsbewusstes Handeln in Krisenzeiten diskutieren. 

Um das erste Schwerpunktthema abzurunden werden hilfreiche Lese- und Folgeempfehlungen für alle Digital Humanists geteilt, die sich noch intensiver mit Ethik, Digitalisierung und Recht in Krisenzeiten und der Notwendigkeit ethischer Leitlinien für eine Gesellschaft beschäftigen möchten.


Gerade jetzt kann man diese Themen nicht mehr auf die lange Bank schieben. Denn mit den  Systemen und Abläufen, die heute installiert werden, schaffen wir Standards , die unsere zukünftige Gesellschaft und Demokratie massiv prägen werden. Alle, die an dieser Entwicklung mitwirken, müssen sich der Reichweite ihrer Entscheidungen bewusst werden und entsprechend gewissenhaft handeln.


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